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Ökumenisches Religionsprojekt zum Thema Tod und Sterben

Am 10.4.2019 besuchten 23 Schülerinnen und Schüler des katholischen und evangelischen Religionsunterrichtes im Rahmen eines Projektes zum Thema „Sterben und Tod“ das Julius Grieneisen Haus in Charlottenburg-Wilmersdorf. Es handelt sich hierbei um eines der  ältesten Bestattungsunternehmen Berlins, welches seit 1830 neben zahlreichen Sozialbestattungen auch für die Beisetzung prominenter Persönlichkeiten aus dem Kaiserhaus, der Politik, Wirtschaft und Filmwelt sorgt.

Frau Sabine Luckey, Bestatterin im Hause Grieneisen und gleichzeitig Mutter eines unserer Schüler, ermöglichte uns den Zutritt in die von einer modernen Architektur geprägten Zentrale in Charlottenburg-Wilmersdorf .

Frau Luckey hatte es sich zum Ziel gesetzt, unsere Schüler/Innen, die mittlerweile durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod in einem vorbereitenden Treffen im Kloster Lankwitz

ihre Schwellenangst überwunden hatten, einen weiteren Schritt diesbezüglich zu begleiten. Dabei standen Wissensvermittlung aber ganz besonders auch die Ausweitung der Empathiefähigkeit unserer Jugendlichen im Zentrum des Interesses.

Gleich zu Beginn beeindruckte uns im Eingangsbereich die moderne und freundliche Architektur des Bestattungshauses, welche dazu beitrug, uns etwaige Berührungsängste, die im Vorfeld durchaus zum Ausdruck gebracht wurden, zu nehmen.

In der Trauerhalle empfing uns dann in einer ebenfalls freundlichen Umgebung die Musik von Nena „Immer noch hier...“, die uns Raum gab, unser Umfeld in Ruhe zu entdecken, uns auf das Thema unseres ungewöhnlichen Moduls erneut einzustimmen und den Lärm der Straße hinter uns zu lassen .

Wie erstaunlich, dass in einem Bestattungsinstitut auch die Sprache unserer Jugend Raum findet! Das sprach unsere Schüler/Innen an!

Frau Luckey erläuterte schließlich in einem professionellen Vortrag, wie eine Bestattung in der Regel von statten geht:

Die Schritte von der Beratung über die mögliche Abschiednahme am offenen Sarg in einem extra hierfür vorgesehenen Raum bis hin zur Trauerfeier am geschlossenen Sarg oder der Urne in der Trauerhalle mit der Familie, Freunden und Bekannten wurde uns sehr anschaulich erläutert.

Herr Theissen-Körner ergänzte nun die Ausführungen der Grieneisen-Bestatterin mit einem kurzen Vortrag über Bestattungsriten der Antike und im frühen Christentum.

Im weiteren Verlauf führte unser Rundgang weiter durch den Abschiedsraum, die hauseigene Druckerei und schließlich in das Herz des Unternehmens: In der großzügigen Kellerebene des Julius Grieneisen Hauses wurden wir an den Kühlungsräumen, wo bis zu 50 Verstorbene aufbewahrt werden, dem Vorbereitungsraum, wo sie gewaschen, geschminkt und angekleidet werden, vorbei in das Sarglager geführt.

Dort empfingen uns 2 Mitarbeiter, welche die Aufgabe haben, die Särge auszukleiden und für die Bestattung herzurichten. Sehr engagiert berichteten sie über ihre Motivation, in diesem außergewöhnlichen Beruf tätig zu sein und schilderten uns ihren persönlichen Umgang mit dem Thema Tod.

Um unseren Schüler/Innen im wahrsten Sinne des Wortes weitere Berührungsängste in Bezug auf den Tod zu nehmen, wurden sie angeleitet, selber Hand anzulegen indem sie einen Sarg für eine Sozialbestattung vorbereiteten.

Für uns Erwachsene waren besonders an dieser Stelle bei den Schüler/Innen Respekt, Ehrfurcht oder einfach auch nur eine gewisse Nachdenklichkeit zu beobachten. Hier wurde uns deutlich:  Das Thema Tod wird einen jeden von uns in irgendeiner Form früher oder später beschäftigen. Macht es nicht Sinn, es schon frühzeitig in unser Bewusstsein zu integrieren?

Abschließend beantwortete Frau Luckey uns noch zahlreiche, oftmals auch sehr persönliche Frage zu ihrem Berufsfeld, bevor wir dann – auch das gehört zu einer Bestattungsfeier dazu – im Bewirtungsraum mit Canapés, Apfel-und Schokokuchen verabschiedet wurden.

Wir danken Frau Luckey und dem Hause Grieneisen für den freundlichen Empfang und den aufschlussreichen Einblick in ein Thema, welches bis heute leider immer noch tabuisiert und aus der Distanz betrachtet wird.

(für die Religionslehrer der Max-von-Laue-Schule: Manuela Tietmeyer)